Stand: Oktober 2007


Interview zur Novelle der Verpackungsverordnung

Kurzinterview mit Dr. Helge Wendenburg, Bundesumweltministerium, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft, Bodenschutz, zur Novelle der Verpackungsverordnung im Back Journal (Oktober-Ausgabe 2007)

Herr Wendenburg, das Bäckerhandwerk wehrt sich mit der Unterschriftenaktion in den bundesweit 47.000 Bäckereifilialen massiv gegen die geplante Novellierung der Verpackungsverordnung. Haben Sie nicht ein wenig Angst, dass Ihr Ministerium bald mit Tausenden Unterschriften gegen die Novellierung regelrecht überflutet wird?

Uns besorgt sehr, dass mit dieser Kampagne die Verbraucherinnen und Verbraucher falsch informiert werden. Die Kunden werden instrumentalisiert, damit sich ihre Bäcker aus der Verantwortung für eine saubere Umwelt ziehen können. Es trifft nicht zu, dass die Bäcker durch Übernahme der Entsorgungsverantwortung für die Brötchentüte besonders belastet werden. Pro Brötchen müssen die Bäcker gerade mal 1 hundertstel Cent an duale Systeme für die Bäckerfaltenbeutel zahlen. Das ist nun wirklich kein hoher Betrag.

Die Novellierung sieht vor, dass sich die Bäcker als Vertreiber von Verkaufsmaterialien in Zukunft an ein duales Entsorgungssystem anschließen müssen. Dabei entspricht es nicht der Realität, dass die Verbraucher ihre Brötchentüten, Einschlagpapiere und Papptabletts tatsächlich in der gebührenpflichtigen Papier-Entsorgungstonne entsorgen. Vernünftigerweise landen diese Materialien im Restmüll, für den die Bäckerkunden bereits Abgaben an die kommunalen Entsorger zahlen.

Nicht erst zukünftig, sondern schon heute müssten sich auch die Bäcker an der Finanzierung der Erfassung und Verwertung ihrer Verpackungen beteiligen. Immerhin bekennen sich die Interessenverbände hier offen zum weit verbreiteten Rechtsbruch in ihrer Branche. Die Verbraucher sind hier weitaus umweltbewusster: Die meisten Brötchentüten landen in der Papiertonne, wohin sie auch gehören. Auch diese Erfassung und -verwertung von Papierverpackungen wird durch die dualen Systeme finanziert. Hierzu müssen selbstverständlich auch die Bäcker einen finanziellen Beitrag leisten. Niemand wird doppelt belastet.

Das Duale System steht seit langer Zeit unter Beschuss, es haben sich inzwischen andere Möglichkeiten zur Abfallbeseitigung als viel effektiver erwiesen. Wieso halten Sie trotzdem noch daran fest?

Das System der „Gelben Tonne“ garantiert ein weltweit einmalig hohes Niveau der Verwertung von Verpackungen. Die Umweltminister aller Bundesländer, Umwelt- und Verbraucherschutzverbände und große Teile aus Industrie und Handel sind sich einig, dass die getrennte, flächendeckende und haushaltsnahe Erfassung von Verpackungen in Deutschland erhalten bleiben muss. Effektivere Lösungen stehen bundesweit nicht zur Verfügung.

Ein großes Publikum fordert, das gesamte Abfallentsorgungssystem auf den Prüfstand zu stellen. Wann wird es soweit sein, dass das aktuelle System den technischen Möglichkeiten angepasst wird?

Die Verpackungsverordnung hat technische Innovationen ausgelöst, die anstehende Novelle wird Wettbewerb und Innovation weiter fördern. Das Bundesumweltministerium unterstützt jede weitere Verbesserung auch in diesem Bereich. Gerade deshalb werden wir Trittbrettfahrer, die nur andere für die von ihnen verursachten Umweltbelastungen zahlen lassen wollen, nicht unterstützen.

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